Professor Winfried Menzel in Berlin hat Max Schwedenow, geboren 1770 und gestorben 1813 in der Schlacht von Lützen, wiederentdeckt, ihn als fortschrittlichen Historiker und revolutionären Dichter eingestuft und zur Zentralfigur des märkischen Jakobinertums gemacht. Zufällig trifft er bei einer Ortsbesichtigung den Lehrer Ernst Pötsch, der aus literarischem und persönlichem Interesse seine Privatstudien vorantreibt. Menzel mag Pötsch und versucht, ihn für sein Institut zu gewinnen. Pötsch zögert allerdings, da er in Menzels Buch über Schwedenow eine Vielzahl von Unstimmigkeiten entdeckt ...
So beginnt de Bruyns Erzählung, die sich nicht nur an die Freunde der Literaturgeschichte wendet. Zwar geht es darum herauszufinden, wer dieser Max Schwedenow in Wirklichkeit gewesen ist; aber das Nachdenken über den seit langem toten Autor weitet sich immer mehr aus zum Nachdenken über die konfliktreiche Gegenwart: Hier der berühmte Professor, der Liebling der Medien und Oberen, der sich bedenkenlos ans Bestehende hält – und dort der Lehrer Pötsch, der der Wahrheit auf der Spur ist, sie aber nicht beweisen kann.
De Bruyn entlarvt in dieser klassisch einfachen Geschichte auf ebenso brillante wie humorvolle Weise den falschen Schein, die Intrigen und die Skrupellosigkeit von jemandem , der unter allen Umständen die öffentliche Gunst behalten will. Und sein betroffenes Mitleid und Engagement gilt demjenigen, der sich dem herrschenden Denken widersetzt im Interesse der Wahrheit. Die überlegene Verwendung sparsamster Darstellungsmittel in der Personen- und Handlungsführung und ein Humor, der immer dann boshaft wird, wenn menschliche Schwächen zur Unmenschlichkeit werden – das sind die selten gewordenen Qualitäten dieser Erzählung ›Märkische Forschungen‹.