Verliert im deutschen Profifußball ein Verein über einen längeren Zeitraum sämtliche Spiele, wird sofort der Vergleich mit Tasmania 1900 herangezogen. Die schlechteste Bundesligamannschaft mit nur zwei Saisonsiegen, den wenigsten Toren (15), den meisten Gegentoren (108), den meisten Niederlagen (28), den meisten Heimniederlagen (12). Dazu der einzige Bundesligaverein ohne Auswärtssieg und längste Serie ohne Sieg in Folge (31 Spiele; 14. August 1965 bis 21. Mai 1966). Das Bild eines Traditionsvereines, der 73 Jahre existierte, wird unhistorisch auf die Saison 1965/66 reduziert.

Dabei war Tasmania 1900 einst die stärkste West-Berliner Fußballmannschaft, die 1959, 1960 und 1962 die Berliner Meisterschaft gewann. Ein Verein, den 1959 im Gruppenspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den Hamburger SV 90.000 Zuschauer im Olympia-stadion anfeuerten und der 1960 als Dritter der Deutschen Meisterschaft durch ein mehr als unglückliches 1:2 gegen den 1. FC Nürnberg knapp das Endspiel verfehlte.

Der Berliner Politikwissenschaftler Dr. Hanns Leske war selbst Augenzeuge des größten Sieges gegen eine westdeutsche Mannschaft. Im Juni 1964 schlug Tasmania in der Auf-stiegsrunde zur Bundesliga im Poststadion den FC Bayern München mit Maier und Be-ckenbauer 3:0. Im autobiographischen Teil schildert der Autor mehrerer Bücher über den DDR-Fußball seine Jugend als Fan der Neuköllner und illustriert durch eine Reise über die West-Berliner Fußballfelder die Fußballlandschaft der eingeschlossenen Teilstadt in den Sechziger und frühen Siebziger Jahren.

Der Autor schildert die Triumphe Tasmanias gegen Hertha BSC vor Bildung der Bundes-liga. Die Aufnahme Herthas in die Bundesliga beruhte auf falschen Angaben der wirt-chaftlichen Situation. Der Grund, weshalb nach Bestechung des Münchener 1860-Stoppers und wegen illegaler Zahlungen an Nationalspieler wie Fahrian und Held der DFB quasi als Wiedergutmachung Tasmania 1965 in die Bundesliga einreihte.

Nach dem katastrophalen Bundesligajahr und zwei Jahren der Konsolidierung stieg der von einigen Medien bereits totgesagte Klub ab 1968 bis zur Einstellung des Spielbetriebes 1973 noch einmal (hinter Hertha BSC) zum führenden West-Berliner Fußballverein auf, scheiterte jedoch mit Trainern wie Cendic und Hipp dreimal in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga.

Neben der atmosphärisch dichten Schilderung des Fußballs im West-Berlin des Kalten Krieges und in der Zeit der langsamen Deeskalierung des Ost-West-Konflikts enthält das Werk von Dr. Hanns Leske neben Interviews mit TAS-Größen wie Jockel Posinski, Peter Engler und Kapitän Atze Becker von einst ein einmaliges Spielerlexikon: Alle Tasmania-Spieler von 1955 bis 1973 mit sportlichen Kurzbiographien.

So entsteht ein lebendiges Portrait des spannendsten West-Berliner Fußballverein