Zweierlei wird an dieser subjektiven wie aufschlussreichen Auswahl deutlich: Zum einen nimmt Goethe eine zentrale Rolle ein; sein Name 'beherrscht ein ganzes dichterisches jahrhundert' - und '[verträgt] als gegensatz allein Jean Paul', den es der Vergessenheit zu entreißen galt. Als Antipode kamen indes keinesfalls, wie die Herausgeber polemisierend vermerken, Schiller oder Heine infrage: 'jener der feinste schönheitslehrer · dieser der erste tagesschreiber'. Zum anderen sucht George damit seinen Anspruch auf die Nachfolge der versammelten Dichter - und insbesondere Goethes - zu begründen.



Er ist vielleicht der modernste Schriftsteller seiner Zeit: Jean Paul, der sein umfassendes wie widersprüchliches Werk selbst als 'Dampfbad der Rührung' und zugleich als 'Kühlbad der frostigen Satire' empfahl. Von Nietzsche noch als 'Verhängnis im Schlafrock' verspottet, wurde Jean Paul von Stefan George mit dieser Anthologie aus dem Dornröschenschlaf wieder in das literarhistorische Bewusstsein zurückgeholt: In traumwandlerischen Bildern, empfindsamen Seelengemälden und eindrucksvollen Landschaftszeichnungen blickt der Leser mit George durch das poetische Kaleidoskop Jean Pauls. Die lange Liste der Verehrer des Werks von Jean Paul, die von Hofmannsthal über Celan und Grass bis Ortheil und Kappacher reicht, macht deutlich, dass in dem 'Büchervampyr' ein großer humaner Dichter zu entdecken ist.