Eine neue Interpretation des Wirtschaftssystems des Dritten Reiches, ein neues, stringentes Erklärungsmodell für die seit Jahrzehnten umstrittene Frage, wie ein so inhomogenes, diffuses System einen so hohen Grad an Effizienz erreichen konnte - in der Konjunktur- und Beschäftigungspolitik wie in der Rüstungs- und Kriegswirtschaftspolitik. Der Autor, Wirtschaftswissenschaftler und Historiker, bedient sich interdisziplinärer Methoden; als Analyseinstrument nutzt er neue wirtschaftswissenschaftliche Theorien, besonders aus der Managementlehre. Sein Fazit: Das NS-Wirtschaftssystem war weder Planwirtschaft noch Marktwirtschaft, weder Befehlswirtschaft noch Monopolwirtschaft allein - es war eine Mischung aus alledem, das Ergebnis unablässiger Neu- und Umorganisation, von ad-hoc-Interventionen und zahllosen Lenkungs- und Bürokratisierungsmaßnahmen, die allesamt keinen durchdachten Plänen folgten, sondern "emergent" organisiert, mit anderen Worten: aus Augenblick und Gelegenheit geboren wurden. Dies alles vollzog sich vor dem Hintergrund und als Teil ständiger politischer Machtkämpfe hinter den Kulissen, die ebenfalls emergenten Charakter hatten. Die Quintessenz des Buches: Die Entwicklung des Wirtschaftssystems der Nationalsozialisten vollzog sich nach einem spezifisch nationalsozialistischen Muster, der "Steuerung durch emergente Organisation und Politische Prozesse". Dieses Erklärungsmodell könnte über die Wirtschaft hinaus Deutungskraft für das gesamte NS-System erlangen.