Dieser Sammelband geht der Frage nach, wie sich bäuerliche Familienbetriebe in unserer heutigen Gesellschaft erhalten konnten. 1950 gab es in Westdeutschland noch über 1.600.000 bäuerliche Familienbetriebe, 2010 im wiedervereinigten Deutschland lediglich noch etwas mehr als 350.000. Sogar auf dem Lande verlor die Landwirtschaft den Status als wichtigster Wirtschaftssektor, und die Bauernfamilie näherte sich dem bürgerlichen Modell der Kleinfamilie an. Reste früherer bauernfamilialer Strukturen lassen sich insbesondere noch in einigen betrieblichen Typen der Landwirtschaft finden: in Auslauf-, Zu-/Nebenerwerbs- und Hobbybetrieben, die dem ökonomischen Rentabilitätsdruck nicht unmittelbar ausgesetzt sind, in landwirtschaftlichen Ein-Mann-Betrieben, die für Ehepartner eine Erwerbsorientierung außerhalb der Landwirtschaft eröffnen, in Betrieben, die sich lebenspraktisch am arbeitsteiligen Modell der heute typischen Selbständigen-Familie ausrichten oder mehrere Betriebszweige mit unterschiedlichen personellen Zuständigkeiten kombinieren, und schließlich in Bio-Betrieben, die sich an der Organisation des traditionellen bäuerlichen Kreislaufmodells orientieren. Innerhalb dieses Spektrums bewegen sich auch die analysierten Fälle und die aufgezeigten Entwicklungen in den hier versammelten Beiträgen. Sie verweisen auf die zunehmende soziale "Besonderung" dieses Sektors in der modernen Gesellschaft, der sich nicht mehr auf seine gesellschaftliche Notwendigkeit für die Bevölkerungsmehrzahl beziehen kann und auch die mentale Selbstverständlichkeit eines überkommenen sozialen Strukturmusters verloren hat.



Ein Beitrag zur "Entwicklung bäuerlicher Familienbetriebe in einer Grünlandregion" (Gerd Vonderach) stellt zusammenfassende Eindrücke aus empirischen Studien in der Wesermarsch in den letzten zwanzig Jahren vor, die anhand von Fallreihen die Situation ausgewählter milchviehhaltender Familienbetriebe ermittelten und relevante Betriebsstrategien, hilfreiche Erwerbskombinationen und auch erfolgreiche Hofnachfolgen nachzuzeichnen vermochten. Als zukunftsfähige Fortentwicklungen wurden Betriebe als Partnerprojekt mit gleichberechtigter Betriebsführung und alleinbewirtschaftete Betriebe mit angestellten Mitarbeitern festgestellt.



Eine Milieustudie über "Milchbauern und ihre Wirtschaftsstile" (Karin Jürgens) differenziert vier unterschiedliche Wirtschaftsstile, die der Strukturwandel in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Insgesamt zeigt sich, dass es nicht nur einen Weg gibt, heutzutage ein "guter Milchbauer" zu sein, und nicht jeder unbedingt einen großbetrieblich organisierten, intensiven und hoch spezialisierten Milchbetrieb führen muss.



Ein Beitrag über die "bäuerlichen Wirtschaftsstile in zwei Regionen Niederösterreichs" seit 1945 (Rita Garstenauer und Sophie Tod) geht anhand von zwei Fallbeispielen der Frage nach, warum bäuerliche Familienbetriebe bestehen blieben, obwohl sie über keine optimale Ressourcenausstattung verfügen. Dies wurde in einem Fall durch die betriebliche Umstellung vom Vollerwerb auf den Nebenerwerb geleistet und im anderen Fall durch Zuerwerb über den Weg einer gastronomischen Eigenvermarktung, wobei die Verfügbarkeit von mithelfenden Familienarbeitskräften wie vor eine wesentliche Voraussetzung war.



Ein Beitrag zur "Persistenz familienbetrieblicher Lebensformen in der Landwirtschaft" (Bruno Hildenbrand) zeichnet am Beispiel eines deutschen und eines amerikanischen Betriebes den strukturellen Wandel und die Beharrungstendenz eines bäuerlichen Habitus nach. Dieser Habitus ist insbesondere durch eine Spannung zwischen traditionalen und modernen bzw. rational geprägten und affektiv getragenen Handlungsorientierungen geprägt. Auf der Bewältigung dieses Widerspruchs, so die zentrale These, beruht die Eigenständigkeit und Persistenz dieser Lebens- und Wirtschaftsform.



Ein weiterer Beitrag (Anna Engelstädter) untersucht am Beispiel einer Wiedereinrichterfamilie auf der Insel Rügen das "Weiterwirtsc