Er nannte sich selbst 'Sonntagsphilosoph',

schuf eine epochale Hegel-Interpretation, die

auf das Werk von Bataille, Breton, Lacan und

Derrida ausstrahlte, spionierte wahrscheinlich

für den KGB und war Co-Architekt des europäischen

Wirtschaftsraums: Kaum ein Denker des

20. Jahrhunderts griff so lustvoll und verschiedentlich

in die Geschichte ein wie Alexandre

Kojève. Dass schon dem achtzehnjährigen

Kojève ein anderes Leben als pure Zumutung

erschienen wäre, zeigt sein 'Tagebuch eines

Philosophen', das Erinnerungen, Refl exionen

und Gedichte des gerade nach Westeuropa

aufgebrochenen Studenten versammelt.