Angetreten, Tabus zu durchbrechen, hat sich die Psychoanalyse selbst mit Tabus umgeben. Jürgen Kind zeigt ausgehend von einer Kritik am Konzept des Ödipuskomplexes, der einflussreichsten Theorie der Psychoanalyse, welche Folgen dies für die Theorieentwicklung, die Therapie, die Ausbildung künftiger Therapeuten und die Patienten hat.



Jürgen Kind beschäftigt sich mit dem Paradox, dass ausgerechnet die Psychoanalyse zu einem Hort von Tabuisierungen und Glaubens kämpfen geworden ist: Er arbeitet in seinem Buch folgende Tabus heraus, welche die Weiterentwicklung der Psychoanalyse behindern:



das Dogma vom Vatermord als eine jedem Menschen innewohnende Intention,

Grenzverletzungen in Therapien als einen von der Theorie mitgetragenen Vorgang,

ein ans Religiöse grenzender Reinheits und Wahrheitsbegriff.

Für den Wettstreit konkurrierender Disziplinen untereinander ist es nicht förderlich, sich auf Begri'e wie 'Wahrheit' und 'reine Lehre' zu berufen. Die Psychoanalyse wird sich, will sie weiter von Relevanz bleiben, daran gewöhnen müssen, dass sie lediglich eine unter vielen Arten ist, die Dinge zu betrachten.



Dieses Buch richtet sich an:

PsychoanalytikerInnen

Alle Intellektuellen: SoziologInnen, PhilosophInnen, SprachwissenschaftlerInnen, die sich beruflich oder privat mit Psychoanalyse beschäftigen