Studienarbeit aus dem Jahr 2016 im Fachbereich Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient, Note: 1,3, Universität Leipzig (Institut für Politikwissenschaft), Sprache: Deutsch, Abstract: Dieser Essay setzt sich mit Öcalans Modell des "Demokratischen Konföderalismus" auseinander. Er setzt das Modell dabei in einen historischen wie politischen Kontext. Zunächst beschreibt er die Geschichte und gegenwärtige Situation der Kurden in ihren nationalen Kontexten. Darüber hinaus werden kurz die Biografie und die politische Prägung Abdullah Öcalans dargelegt. Kontrastierend mit gängigen Konzepten der nationalstaatlichen Weltaufteilung wird daraufhin die Gesellschaftsvision des "Demokratischen Konföderalismus" vorgestellt. Vor diesem Hintergrund wird anschließend kritisch diskutiert, inwiefern Öcalans Vision einer nichtstaatlichen Gesellschaft die Kurdenfrage zu lösen vermag. Am Beispiel der Region Rojava wird untersucht, wie der "Demokratische Konföderalismus" politisch zu realisieren ist. Dabei werden die Kriterien seines nichtstaatlichen Modells angewandt.



Drei Worte reichen der Presse, um die gegenwärtige Lage der Kurden zu umreißen. "Volk ohne Staat", schreiben Zeit Online sowie die Deutsche Welle und die Welt (Reichl 2015a; Strauß: 2015; Die Welt 1998). Die Situation der Kurden ist dennoch viel komplexer als die Medien zu titeln vermögen. Denn ihre Geschichte geht über viele Jahrhunderte zurück, während die politische Gegenwart hat ihnen keine gemeinsame nationale Identität beschert.



Hinter der Schlagzeile "Volk ohne Staat" stehen viele Fragen, die es zu erkunden gilt: Wer sind die Kurden? Was eint sie und was trennt sie? Brauchen die Kurden einen Staat? Wie soll die Organisationsform ihres Zusammenlebens idealerweise aussehen? Kann es einen kurdischen Nationalstaat geben? Ist er die richtige Antwort auf die kurdische Autonomiefrage?



Abdullah Öcalan - eine der bekanntesten Persönlichkeiten des kurdischen Befreiungskampfs - hat eine Antwort. 2005 präsentierte er einen radikalen Gegenentwurf zur nationalstaatlichen Lösung der Kurdenfrage. Mit dem Modell des "Demokratischen Konföderalismus" erschafft er eine Utopie eines nicht-nationalstaatlichen, multiethnischen Organisationsmodells. Mit seinem Gesellschaftsentwurf erhebt er Ansprüche auf eine kurdische Existenz jenseits des Nationalstaats. Und sie lebt: im heutigen Rojava versuchen syrische Kurden, Öcalans Ideen in die Realität umzusetzen.