Mit diesem Band liegt das erzählerische Werk von Herbert Eisenreich vollständig vor.

Eisenreichs Feststellung, "alles Unheil der Welt stammt ab vom guten Gewissen", zeugt von einer Menschenkenntnis, der die Nähe von Licht und Schatten in der Psyche klar bewusst ist: Die Erfahrung des Krieges und der Nachkriegszeit ließen ihn die Gefährdung der Humanität erkennen. Es verwundert daher nicht, dass Eisenreich eine moralkritische Position einnahm, die von pessimistischen Auffassungen durchdrungen ist; sein expressiver und symbolhaltiger Sprachstil lässt seine Erzählungen in harter Sachlichkeit erscheinen. Die sich zeigenden Parallelen zur Literatur von Alfred Döblin und Hermann Broch weisen ihn als einen der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts aus.

"Eisenreich will den Phänomenen in ihrer Ambivalenz gerecht werden. Seine Helden verschulden oft Schlimmes, ohne Freveltäter zu sein. Sie sündigen, obwohl sie keine Sünder sind. Die Welt, in der sie umherirren, ist abstoßend und anziehend, böse und schön zugleich", schrieb Marcel Reich-Ranicki.

Herbert Eisenreich, (1925-1986), Autor von Erzählungen, Kurzgeschichten, Gedichten, Essays, Sachbüchern und Hörspielen. Von 1952 bis 1956 war er für den NWDR in Hamburg tätig. In seinem Essay "Das schöpferische Mißtrauen oder Ist Österreichs Literatur eine österreichische Literatur?" befasste er sich mit der Frage nach einer österreichischen Nationalliteratur.