Mit dem Überfall auf die Sowjetunion nahmen auch Heydrichs mobile Mordverbände - die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD - ihre Tätigkeit auf. Ähnlich wie ihre Vorläufer in Polen agierte die Einsatzgruppe D dabei im Windschatten der deutschen Angriffstruppen und drang von Rumänien aus über die Krim bis in den Kaukasus vor.



Der Historiker Andrej Angrick schildert nicht nur die Kampfhandlungen an der Ostfront, sondern untersucht auch die Funktion und Aufgaben der Einsatzgruppen, die nicht nur rein militärischer Natur waren: Im rückwärtigen Heeresgebiet setzten die Einsatzgruppen konkrete Maßnahmen um, die auf die ethnopolitische Neuordnung Europas durch das nationalsozialistische Regime abzielten, und waren für nachrichtendienstliche Operationen der 'Gegnerbekämpfung' verantwortlich. Minutiös zeichnet der Autor das mörderische Vorgehen der Einsatzgruppe D zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer nach und analysiert dabei Tatmotive und Tatumfeld, Handlungsspielräume und Eigeninitiativen der Akteure sowie die politisch-ideologischen Vorgaben Himmlers und Heydrichs. Die Einsatzgruppe mußte sich dabei im Spannungsfeld verschiedener Kräfte, Interessen und Institutionen gegen Diplomaten, Militärs und den deutschen Verbündeten Rumänien behaupten.



Ganz bewußt lenkt Andrej Angrick den Blick auch auf die Opfer der Ostexpansion des nationalsozialistischen Deutschland, also vor allem die jüdische Bevölkerung, Kranke, Zigeuner und Kriegsgefangene. Der Versuch, die Opfer der Einsatzgruppen aus ihrer Anonymität wieder ins historische Bewußtsein zu rücken, basiert vornehmlich auf Quellen, die im Rahmen der westdeutschen Strafverfahren zur Verfolgung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und der Nürnberger Prozesse entstanden.



Die Tätigkeiten und das Bild der Einsatzgruppe wurden zentral von Otto Ohlendorf, einem der einflußreichsten Männer der aufstrebenden jungen NS-Elite, geprägt, den Heinrich Himmler im Juni 1941 als Leiter der mobilen Einheit der Sicherheitspolizei und des SD ernannt hatte. Aus der vergleichenden Analyse von Karriereverläufen einer Gruppe ausgewählter Akteure im Mordapparat der Einsatzgruppe D entwickelt Andrej Angrick auf der Grundlage verschiedener Täterprofile eine differenzierte Typologie des 'vor Ort' in den deutsch besetzten Gebieten tätigen Personals der Einsatzgruppe.