Die Babyboomer gehen in Rente. Die große Generation tritt ab, die die Bundesrepublik geprägt hat wie keine vor ihr – auf wenig aufsehenerregende, aber souveräne Weise. Die zwischen 1955 und 1969 Geborenen waren der Kindersegen, und sie waren immer mittendrin: zwischen den Ruinen des Krieges, mit Adenauer und Brandt, der RAF und dem Pop, mit Kohl, Robert Spaemann, Konrad Kujau und Carl Schmitt, mit dem Mauerfall und den Kanzlern Schröder und Merkel.

Thomas E. Schmidt ist einer von ihnen, auch er immer mittendrin. Spielerisch verfolgt er den Lebensweg der geburtenstarken Jahrgänge und schreibt dabei einen Bildungsroman der Bundesrepublik. Diese Generation machte Karriere, sie lebte gut und setzte Speck an. Sie muss nun erkennen, dass die nächste Generation mit dem Erbe hadert: Dankbarkeit ist im Angesicht der Klimakrise kaum zu erwarten.

Mit den Boomern vergeht auch die alte Bundesrepublik, und Thomas E. Schmidt blickt aus der eigenen Erfahrung auf die neue Gegenwart: ein autobiografischer Essay für die große Leserschaft dieser Generation, ebenso scharfsichtig wie ironisch.

Die Szene, wie auf einer Feier in Siegfried Unselds Haus (anfänglich gegen Unselds Willen) im Garten die Frankfurter Intelligenz das Fußball-Halbfinale England-Deutschland anschaut und Jürgen Habermas den Jubel als „nationalistisch“ tadelt, ist nur eines der unterhaltsamen Glanzstücke in diesem großartigen Rundblick.