Telefonisch bestellen: 034632-904396 (Mo. bis Fr.: 8-16.30 Uhr)
  • Startseite
    Bücher anderer Verlage
    Aus dem aktuellen Prospekt
    Die Tanten des Adjutanten. Oder der gescheiterte Wiederaufbau des Palais de Saxe zu Dresden
    Die Tanten des Adjutanten. Oder der gescheiterte Wiederaufbau des Palais de Saxe zu Dresden

    Jurek Haslhofer

    Die Tanten des Adjutanten. Oder der gescheiterte Wiederaufbau des Palais de Saxe zu Dresden

    • 9783944064918
    • Arnshaugk (2017)
    • 400 S., geb. mit Lesebänd­chen
    24,00 €

    Ein sozialistischer Apparatschik wird ermordet und dies auf eine bestialische Weise. Motiv und Tat­hergang bleiben dunkel. Die Ermittlungen kommen nicht voran und werden durch Ein­mischung verschie­dener Geheimdienste zusätz­lich erschwert. Im Wien des Jahres 2014 wirft die Krisis des Folgejahres ihren Schatten voraus. Der Justizapparat ist durch eine Viel­zahl einander widerstrebenden Vorgaben politi­scher Korrektheit blockiert und gleichzeitig von Staats­fein­den verschiedener Couleur unterwan­dert. Dieses kafka­eske Milieu stellt geradezu eine Ein­ladung an dämoni­sche Kräfte dar, der Umschlagpunkt von absurdem Alltag und meta­physischer Versuchung ist kaum noch auszuma­chen, wenn die zeitgeistig-vertrottelte Lebens­gefährtin dem ermittelnden Staats­anwalt auf­drängt, eine Geisterbeschwörerin beizuziehen.

    Das zweite Mordopfer steht zum ersten in denkbar krassem Wider­spruch: ein restaurationsbesessener Architekt mit ominösen au­stra­lischen Wurzeln (nach außen hin ein Vater, der sich zu Tode säuft), der sich zunächst in linker und mittler­weile in rechter Bohème herumtreibt. Seine Passion für Dresden umkreist nicht nur den 13. Fe­bruar 1945, sie zeigt auch die biographische Ver­quickung aller Irrlehren des 20. Jahrhunderts. Und natürlich spielen in diesem burlesken Treiben die Frauen und die Sehn­süchte der Männer eine Schlüssel­rolle. Dann gibt es auch noch einen Goldschatz, welchen die Behörden rechtsradikalen Umstürzlern abjagen wollen.

    Der bitterböse Sarkasmus eines feinen Beoachters und spannenden Erzäh­lers zeigt Glanz und Elend einer beispiellosen Deka­denz. Auch die positiven Figuren des Romans sind in Gier und Heuchelei der Mo­derne verstrickt, ein tief pessi­mi­stisches Sitten­gemälde, in dem gleichwohl am Schluß ein Fünkchen Hoffnung aufglimmt.

    In diesem Roman verbindet sich die Schelmengeschichte mit bitte­rer Tragikomik, die Enthüllungsszenarien mit Mystik der Verzweiflung, die Architektur- und Zeitgeschichte mit einer regelrechten Psycho­analyse der Ideologien. Ob man lachen oder weinen muß, Spannung und Über­raschung reißen nicht ab. Weil die Figuren so überzeugend gezeigt werden, kommt der Leser nicht umhin, Anteil an Ihrem Schicksal zu nehmen. Zusammenfassend darf ein großartiges Lese­erlebnis versprochen werden. Als Weihnachts­geschenk unbe­dingt zu empfehlen!

    Weitere Bücher von Jurek Haslhofer

    Zum Rundbrief eintragen: