Ein sozialistischer Apparatschik wird ermordet und dies auf eine bestialische Weise. Motiv und Tat­hergang bleiben dunkel. Die Ermittlungen kommen nicht voran und werden durch Ein­mischung verschie­dener Geheimdienste zusätz­lich erschwert. Im Wien des Jahres 2014 wirft die Krisis des Folgejahres ihren Schatten voraus. Der Justizapparat ist durch eine Viel­zahl einander widerstrebenden Vorgaben politi­scher Korrektheit blockiert und gleichzeitig von Staats­fein­den verschiedener Couleur unterwan­dert. Dieses kafka­eske Milieu stellt geradezu eine Ein­ladung an dämoni­sche Kräfte dar, der Umschlagpunkt von absurdem Alltag und meta­physischer Versuchung ist kaum noch auszuma­chen, wenn die zeitgeistig-vertrottelte Lebens­gefährtin dem ermittelnden Staats­anwalt auf­drängt, eine Geisterbeschwörerin beizuziehen.

Das zweite Mordopfer steht zum ersten in denkbar krassem Wider­spruch: ein restaurationsbesessener Architekt mit ominösen au­stra­lischen Wurzeln (nach außen hin ein Vater, der sich zu Tode säuft), der sich zunächst in linker und mittler­weile in rechter Bohème herumtreibt. Seine Passion für Dresden umkreist nicht nur den 13. Fe­bruar 1945, sie zeigt auch die biographische Ver­quickung aller Irrlehren des 20. Jahrhunderts. Und natürlich spielen in diesem burlesken Treiben die Frauen und die Sehn­süchte der Männer eine Schlüssel­rolle. Dann gibt es auch noch einen Goldschatz, welchen die Behörden rechtsradikalen Umstürzlern abjagen wollen.

Der bitterböse Sarkasmus eines feinen Beoachters und spannenden Erzäh­lers zeigt Glanz und Elend einer beispiellosen Deka­denz. Auch die positiven Figuren des Romans sind in Gier und Heuchelei der Mo­derne verstrickt, ein tief pessi­mi­stisches Sitten­gemälde, in dem gleichwohl am Schluß ein Fünkchen Hoffnung aufglimmt.

In diesem Roman verbindet sich die Schelmengeschichte mit bitte­rer Tragikomik, die Enthüllungsszenarien mit Mystik der Verzweiflung, die Architektur- und Zeitgeschichte mit einer regelrechten Psycho­analyse der Ideologien. Ob man lachen oder weinen muß, Spannung und Über­raschung reißen nicht ab. Weil die Figuren so überzeugend gezeigt werden, kommt der Leser nicht umhin, Anteil an Ihrem Schicksal zu nehmen. Zusammenfassend darf ein großartiges Lese­erlebnis versprochen werden. Als Weihnachts­geschenk unbe­dingt zu empfehlen!