Man muß eine Tradition „in sich selber haben, um sie recht zu hassen“, wußte noch Adorno. Der Liberalismus dagegen spricht dem Menschen jegliche Bindung ab, um ihn zum Verbraucher und Humankapital, Heimat zum Wirtschaftsstandort zu degradieren. Die bruchfälligen Institutionen des Nationalstaats vermögen keinen Halt mehr zu geben. Kein Wunder, daß sich Widerstände regen, die dem Gesetz des Marktes spezifisch identitäre Forderungen entgegensetzen.

Niemand kann sich seine Identität aussuchen. Aber was ist Identität? Worauf beruht sie, wie macht sie sich bemerkbar? Wann wir sie zur Pathologie? Welche Antworten bietet der Kommunitarismus als Gegenbewegung zum Liberalismus? In seiner kleinen Kulturgeschichte der Identität erläutert der französische Philosoph Alain de Benoist, warum sie neben Freiheit und Gleichheit nicht nur zu den großen Schlagworten, sondern auch zu den Schlüsselbegriffen der Moderne zählt.