Planungen zum Partei- bzw. Reichssenat und zur Führernachfolge

Das vorliegende Werk widmet sich der Frage, wie Hitler und führende Mitglieder der NSDAP sowie der Reichsregierung durch die Errichtung eines obersten Senats das „Dritte Reich“ langfristig zu sichern suchten und welche Gedanken hinsichtlich Staatsform und Staatsaufbau entwickelt wurden.  „Germanische Demokratie“, „Führerauslese“, Ständegedanke und das Ratsprinzip als integraler Bestandteil des nationalsozialistischen Führerprinzips wurden als notwendige Elemente auf dem Wege der Verwirklichung eines Ordensstaates angesehen, der im Reichssenat seine sichtbare Verkörperung erhalten sollte.
Nach Darstellung der Grundgedanken in Teil I werden in Teil II die geschichtlichen Vorbilder vom Altertum bis in die Neuzeit im Hinblick auf deren beispielgebende Funktion analysiert. Dabei wird der Bogen vom spartanischen Ältestenrat (Gerusia) über das altgermanische Thing, den römischen Senat, das Kurfürstenkollegium des Heiligen Römischen Reiches und den Deutschen Orden bis hin zum Faschistischen Großrat geschlagen.
Der III. Teil beschäftigt sich mit der ideengeschichtlichen Profilierung des Senats, zunächst innerhalb der Partei und später durch die Reichsbehörden sowie die beteiligten Personen. Er zeigt den Weg von den Anfängen bis hin zu den entsprechenden Gesetzesentwürfen. Der IV. Teil schließlich legt unter anderem die Aufgaben des Senats, seine Organisation, Funktionsweise und Zusammensetzung, die Auswahl und Ernennung der Senatoren sowie die geplante Durchführung der Führerwahl dar und gibt auch eine Beschreibung des Senatorensaals im „Braunen Haus“ in München.
Am Ende blieb es, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, bei der Absicht, Partei und Reich durch die Schaffung eines NS-Senats zu arrondieren. Hitler hat entgegen anderslaufender Auskünfte von Historikern die Frage des Senats durchaus ernst genommen und hierfür viel Zeit aufgewendet. Die Ausarbeitungen und Denkschriften zum Senat wurden von ihm sorgfältig durchgesehen und überarbeitet. Der Sturz Mussolinis durch den Faschistischen Großrat im Juli 1943 indes ließ in Hitler die Skepsis gegenüber einem Senat wachsen; er fürchtete, hier könne sich eines Tages eine Gegenkraft aufbauen, die ihn oder einen nach ihm amtierenden Führer zu beseitigen in der Lage wäre.
Das „Braune Haus“ wurde im Übrigen 1944 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt; damit konnte der Senatorensaal, der ein Opfer der Flammen wurde, niemals seinem ihm zugedachten Zweck zugeführt werden.